THON-DITTMER-PALAIS

Hier gab es Fenster wie Noten in der Musik

In Regensburg ist es nicht ungewöhnlich, dass Häuser wachsen. So auch das Thon-Dittmer-Palais.

Als Georg Friedrich Edler von Dittmer 1781 an der Ecke zur Weingasse das alte Patrizierhaus der Familie Erlbeck kaufte, war er ge­rade in den öster­reichischen Adelsstand er­hoben wurden – und der reichste Kaufmann Re­gensburgs. Da war na­tür­lich klar: So kann das Haus nicht bleiben, schließ­lich wollte er zeigen, dass er es als bürger­licher Handels­mann bis in die Welt des Adels geschafft hatte!

Im 18. Jahrhundert hatte man nichts übrig für die unregelmäßigen mittelalterlichen Hausfas­saden, deren Fensteranordnung aus­sah wie „Noten in der Musik“ – zumindest eine re­präsentative Schauseite á la mode zum Haid­platz musste her. Und angemessen im­posant sollte sie sein!

 

Zunächst wurde das Erlbeckhaus mit einer neuen Fassade ausgestattet, 1808 dann das anliegende Alko­fer­sche Haus auf­gekauft und teilweise abgebrochen, und 1809 schließlich die Fassade des Thon-Dittmer-Palais über beide Häuser hinweg fertiggestellt, wie wir sie heute kennen: 

Thon-Dittmer-Palais Regensburg by Johanning

Den Haidplatz beherr­schend, mit geordneten Fensterreihen und sym­metrisch, klassizistisch. Und zum Zeit­punkt ihrer Vollendung bereits wieder unmodern. Seinen Namen verdankt das Palais Georg Friedrichs Schwiegersohn Carl Christian von Thon-Dittmer, dem letzten Be­sitzer des Hauses, bevor es 1856 in den Besitz der Stadt überging. Ihm haben wir auch die Arkaden im Innenhof zu verdanken.

 

Nach allerlei Umbauten beherbergt das Thon-Dittmer-Palais heute das Kulturamt der Stadt, die Stadt­bücherei und eine Spielstätte des Stadt­theaters. Die mittelalterliche Sigis­mundkapelle dient als Ausstellungsraum für Kunstaus­stellungen und ist immer einen Be­such wert – beliebt ist aber vor allem der charmante Arkadenhof des Palais, Heimat zahl­reicher kul­tureller Sommerveranstal­tun­gen von den Schülertheatertagen bis hin zum Palazzo-Festival.
Am 28. Juni sind die Kulturoptimisten erstmals im Thon-Dittmer-Palais: mit dem Galakonzert „Herzbuben mit Dame“. Und bestimmt wird es ein Abend ganz im Sinne der jungen Frau, die vom Uhrerker auf den Arkadenhof hinabblickt: Eine barocke Vanitas. Sie zeigt unsere Vergänglichkeit auf – und stiftet dazu an, das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Quelle

Karl Bauer: Regensburg. Geschichte und Geschichten: Straßen und Häuser – Wahrzeichen – Denkmäler – Kunst – Sitten – Brauchtum

Thon-Dittmer-Palais

Haidplatz 8

93047 Regensburg