Freitag 8. Juli – 19:00 Uhr

CARMINA BURANA

Carl Orffs Meisterwerk und Alexander Borodins „Steppenskizze aus Mittelasien“ und „Polowetzer Tänze“ 

präsentiert von den Münchner Symphonikern gemeinsam mit dem Münchner Motettenchor

Tickets 32 €

Illustration aus der originalen Carmina Burana (Bayer. Staatsbibliothek)

Spektakel im Schlossgarten

Das Rad der Schicksalsgöttin

„Alles, was ich bisher geschrieben und was Sie leider gedruckt haben, können Sie nun einstampfen! Mit Carmina Burana beginnen meine gesammelten Werke!“, schrieb der Komponist Carl Orff nach der Uraufführung an seinen Verleger. Und tatsächlich kennt einfach jeder die Anrufung der Schicksalsgöttin, die gleich zu Beginn des Werks erklingt. Die Münchner Symphoniker bringen dieses Meisterwerk am 8. Juli gemeinsam mit dem Münchner Motettenchor auf die Bühne.

Sie befehlen spätes Aufstehen, reichliches Essen und Trinken sowie regelmäßiges Glücksspiel: die Ordensregeln der Vaganten.

Zu finden sind sie in den Carmina Burana – den „Beurer Liedern“, die 1803 im Kloster Bene­diktbeuern entdeckt wurden. Und sie sind derart detailliert beschrieben, dass die ältere Forschung tatsächlich an die reale Existenz eines solchen Faulenzer- und Schlemmerordens glaubte.

Neben etlichen Spottliedern, die vor allem den Klerus parodieren, enthält die Anthologie weltliche Lieder verschiedenster Art und zwei geistliche Theaterstücke – insgesamt 318 Lied- und Dramentexte aus dem 11. – 13. Jahrhundert. Drei Fünftel der Texte sind ausschließlich in dieser Handschrift überliefert, was die Carmina Burana nicht nur zur umfangreichsten Anthologie weltlicher mittellateinischer Dichtung, sondern auch zum wichtigen Überlieferungsträger macht.

Carl Orffs Carmina Burana

1934 stieß der Komponist Carl Orff auf die Sammlung und erlag sogleich ihrem Zauber: „Bild und Worte überfielen mich.“ Ein Bühnenwerk mit Sing- und Tanzchören entstand vor seinem inneren Auge, noch am selben Tag skizzierte er den ersten Chorsatz: O fortuna, die Anrufung der Schicksalsgöttin.

Aus lateinischen und mittelhochdeutschen Lied­texten und Textfragmenten der Beurer Lieder entstand ein Libretto mit 24 Stücken – in der damaligen Zeit ein Wagnis. Orffs Tochter Godela erinnert sich: „Chorwerk. Und Lateinisch. Mein Gott, im Dritten Reich, das war so unmöglich. Man sprach Deutsch, sonst gar nichts. Und ja, wir warteten und zitterten und warteten und zitterten. Und dann kam das bei der Uraufführung unerhört gut an.“ Nicht aber bei der Reichsmusikkammer, der die undeutsche Musik ein Dorn im Auge war.

Zur zweiten Aufführung erscheinen reihenweise Parteileute in Uniform, niemand traut sich zu klatschen, nach dem ersten Akt herrscht To­tenstille im Saal. Bis Godela Orff aus der Proszeniumsloge heraus wütend das Schicksal herausfordert und in den Saal schreit: „Warum klatschen denn die Scheißkerle nicht?“

Fortuna scheint milde gestimmt an diesem Tag, die angespannte Stimmung wandelt sich in Gelächter und Applaus.

Das Rad der Fortuna verbildlicht die Schicksalsgöttin als Herrscherin über Aufstieg und Fall der Menschen.
Münchner Symphoniker © Marco Borggreve

Die Münchner Symphoniker © Marco Borggreve

Den mächtigen Vokalpart übernimmt der Münch­ner Motetten­chor. Gegründet wurde der 1960 von einer Gruppe musikbegeisterter Studenten, um eine Vorlesung über Motetten von Heinrich Schütz musikalisch zu illustrieren. Seitdem ist der Chor beträchtlich gewachsen: Heute besteht er aus knapp 100 Mitgliedern und gehört zu den renommier­testen Konzert­chören Mün­chens.

Klanggewaltig auf die Bühne gebracht wird unsere Carmina Burana von den Münch­ner Sym­phonikern gemeinsam mit dem Münch­ner Motettenchor.

Die Münchner Symphoniker sind eines der größten Symphonieorchester Münchens. Sie spielen Alte Musik – möglichst im Original­klang. Und vieles mehr: das Orchester ist bekannt für seine Vielseitigkeit und Experimentierfreude. Es begleitet namhafte Musikerinnen wie Arabella Steinbacher ebenso wie aufstrebende Jungstars und macht auch vor Genregrenzen nicht halt – auch mit Soul-Sängerin Joy Denalane oder Quadro Nuevo sind die Musikerinnen und Musiker bereits aufgetreten.

In den 75 Jahren ihres Bestehens spielten sie bereits mehr als 650 Filmmusiken ein – darunter den Oscar nominierten Soundtrack für „Das Schweigen der Lämmer“ und Musik für Filmklassiker wie „Die unendliche Geschichte“ oder „Das Boot“.

Quellen: Uta Sailer: Der Hit nach der Mittelalter-Handschrift (https://www.br-klassik.de/themen/klassik-entdecken/carmina-burana-carl-orff-urauffuehrung-was-heute-geschah-1937-100.html)