Interview Mit dem Trio Trikolore

“Ich freue mich immer noch auf jeden Auftritt”

Eva Sixt, Sepp Frank und Rainer J. Hofmann über 25 gemeinsame Jahre als Trio Trikolore. Von kuriosen Auftritten, Freundschaft und natürlich der Musik

Regensburg, Fidelgasse, an einem Mitt­woch im Januar. Draußen ist es trist und grau – hier drinnen, am Küchen­tisch von Sepp Frank, dagegen warm und heimelig. Wie jeden Mitt­woch seit 25 Jah­ren treffen sich Eva Sixt, Sepp Frank und Rainer J. Hofmann zum Pro­ben. Der Probe voraus geht, wie immer, ein gemeinsames Essen mit Austausch. Dies­mal sind wir auch dabei, um in dieser wunderbar ent­spannten Atmo­sphä­re ein Interview mit den dreien zu führen.  

 

 

Es ist immer spannend, wie etwas seinen Anfang nimmt. Wann und wo habt ihr euch kennengelernt?
Rainer: Nicht kennengelernt, aber ge­sehen habe ich die Eva das erste Mal auf dem Uniforum. Da ist die Sixt mit ihrem Korb über das Forum gegan­gen. Und das war schon ein Ereignis, wenn die Sixt mit ihrem Korb über das Uniforum gelaufen ist! Wann ich sie dann kennengelernt habe, weiß ich gar nicht so genau…
Eva: Anfang der 90er Jahre hab ich mit Freunden ein abendfüllendes Mu­sikprogramm aufgeführt und dabei auch Chansons gesungen. Die haben Joseph Berlinger, der im Publikum saß, so gut gefallen, dass er mich mit Sepp bekannt gemacht hat: Wir beide sollten bei seiner Geburtstagsfeier auf­treten. So war das erste Chanson-Duo geboren. Sepp und ich lernten Rainer dann beim Bürgerfest 1992 kennen, wo an jedem Abend im Hof der Galerie Hammer musiziert wur­de. Und kurz darauf war das zweite Chanson-Duo auf der Welt: Rainer und ich. Praktisch, gell? Immer wenn einer der beiden einen Gig an Land zog, war ich mit an Bord. (lacht) Wir hat­ten damals schon darüber nach­gedacht, uns zum Trio zu formieren, aber aus irgendwelchen Gründen wur­de erst mal nix daraus. Erst 1999 haben Rainer, Sepp und ich uns zu­sam­mengesetzt und die beiden Duo-Repertoires zu einem Trio-Repertoire ausgebaut. Unser Debüt gaben wir dann am 18. März 2000 im Leeren Beutel bei einem Geburtstags­empfang mit Häppchen und Sekt.

Rainer: Ich hatte am Anfang gar kein eigenes Instrument. Das Akkordeon musste ich mir immer irgendwo lei­hen – zum Beispiel vom Sepp.

Sepp: Und wir haben recht schnell be­schlos­sen, dass es eigentlich Blödsinn ist, wenn Rainer und ich beide Ak­korde­on spielen. Ich habe bei Cham­ber­grass auch Bass gespielt, so kam es zur Verteilung: Rainer spielt Ak­kor­de­on, ich Bass und Eva singt na­türlich. Das war lange unsere Haupt­beset­zung.

Eva: Es gab aber auch Ausnah­men. L’accor­déoniste habe ich sowohl mit Sepp als auch mit Rainer als erstes einstudiert. Das haben wir von An­fang an mit zwei Akkordeons ge­spielt. Und Parlez-moi-d’amour!

 

Wie kamt ihr zu den Chansons?
Eva: Ich hab als Studentin im Café Li­la gearbeitet, wo jede Thekenkraft ih­re Lieblingskassetten spielte. In mei­nen Schichten war das neben Billy Holiday und Ella Fitzgerald vor allem Edith Piaf. Rauf und runter, bis ich alle Chansons mitsingen konnte.

Trio Trikolore ©Rudi Hrobak

Trio Trikolore ©Rudi Hrobak

Sepp: Ich hab Akkordeon nicht zu­letzt gelernt, weil mir die Titelme­lo­die von Kommissar Maigret im Fern­sehen so gut gefallen hat. Schon als Kind!

 

Und wie kam es dann zum Kurt Weill-Programm? Youkali ist ja sehr anders als eure anderen CDs.
Eva:
Kurioserweise war Weills Ala­bama-Song bei Sepp und mir von An­fang an im Repertoire. Und Sepp war es auch, der eine CD mitbrachte, da­rauf war Kurt Weills Youkali. Der Tango zündete bei uns allen. Und ich dachte mir: Ein Kurt-Weill-Pro­gramm, das wär’s!

 

Habt ihr das Programm oft ge­spielt?
Eva:
Nein, eben nicht! Für uns war’s ein Highlight, in jeder Hinsicht. Wir haben an dieser Arbeit so unglaub­lich viel gelernt und erfahren. Aber damit kann man keinen… na ja, Po­kal schon, aber Geld kann man damit nicht verdienen.
Rainer:
Aber wir waren in der Aus­wahl der letzten 10 bei der Bü­cher­gilde für den neuen Katalog!
Eva:
…und auf dem Kurt-Weill-Fest in Dessau, ja. Aber Kurt Weill im Exil? Da vermutet das Publikum in spe erst ein­mal schwere Kost, wenn auch zu Unrecht. Aber das Programm ließ halt nur schwer verkaufen. Ich wür­de es trotzdem um nichts in der Welt mis­sen wollen. Selbst wenn wir es nur ein einziges Mal gespielt hätten, wür­de ich sagen: Das war es wert!

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Sepp, Eva, Rainer und Kurt Weill 2006 beim Kurt-Weill-Fest in Dessau

Was schätzt ihr besonders anein­ander?
Sepp:
Wir haben uns schon immer ge­schätzt. Eigentlich seit wir uns das erste Mal über den Weg gelaufen sind.

Eva: Unsere Zusammenarbeit ist was Besonderes. Ich komm mit einem Vor­schlag für ein neues Chanson, wir hö­ren es gemeinsam an und die bei­den legen sofort los. Ohne Noten. Nur nach Gehör. Einfach genial. Das ist dann Grundlage, wenn nicht sogar Be­dingung für die Suche nach einer eigenen Interpretation. Und auf die­sem Weg sind wir einander absolut zugewandt, wir schnaufen quasi das Liedmaterial gemeinsam ein, jeder auf seine Art. Das ist sehr spannend, sehr anstrengend… und im besten Fall sehr produktiv.

Gibt es eine Rollenverteilung?
Eva: Von mir kommen Setlist und Conférencen für die Konzerte. Und ich schaff’ Neues fürs Repertoire her­bei.

Sepp: Es ist immer schön, wenn Eva mit einem neuen Lied an­kommt, weil es ja auch immer eine Herausfor­derung ist, zu schauen: Was machen wir damit? Aber es muss der Funke auf alle drei über­springen, dass alle drei daran ar­bei­ten wollen.

Rainer: Und ich schlage seit ungefähr 19 Jahren das gleiche Chanson vor…
Eva: Seit 23 Jahren!
Rainer: …aber Eva mag’s einfach nicht singen.
Sepp: Es ist nie auch nur in den Pro­be-Status gekommen. Mittlerweile ist es schon ein Running Gag – ich lach, Eva lächelt gequält…. (und Rainer spielt im Hintergrund: Vous oubliez votre cheval).
Eva: Wir haben etwa 100 Chansons, die wir irgendwann einmal arran­giert haben. Die Lieder gehen uns also nicht aus. 

 

Was hat sich im Lauf der Jahre ver­ändert? Und was nicht?
Eva: 
Gleich geblieben ist mein enor­mes Lampenfieber vor den Auftrit­ten. Sepp sagt “ich bin auch aufge­regt” und Rainer ist die coolste Socke überhaupt.

Rainer: Das ist wirklich erstaunlich, wir machen das ja jetzt schon so lange, aber das ist unverändert.
Eva:
Sepp und Rainers Chorgesang ist dazugekommen. Zu meinem Glück. Und etwa zeitgleich begann Rainer, auch den Kontrabass zu spielen.
Rainer:
Das erste Kontrabass-Stück, das ich gespielt habe, war Les mots d’amour 2006.
Sepp:
Da hab ich dann Gitarre ge­spielt… auch weil wir gedacht haben, wir brauchen ein bisschen Soundab­wechslung.
Eva:
Aber auch, weil wir uns anderen Zeiten und Stilen zugewendet haben. Das gipfelt dann in der CD Les Sixties.
Rainer: Es hat sich schon viel verän­dert. Wir haben einen riesigen Bogen geschlagen: Wir haben mit zwei In­strumenten und einer Stimme ange­fan­gen, und der Höhepunkt war You­kali mit unzähligen Instrumen­ten. Bei Les Sixties hat Sepp dann etliche ver­schiedene Saiteninstru­men­te ge­spielt, und jetzt geht’s wie­der zurück zu den Anfängen.

 

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Nervt ihr euch nicht auch mal ge­gen­seitig?

Eva: Wir sind bei Auftritten immer sehr früh vor Ort. Und wenn die bei­den dann ihre Instrumente und Ge­räte einrichten – kann ich nichts machen, bin nervös und steh sinnlos rum. Dann fang ich an, die ganzen Koffer und Taschen zusammen­zusam­meln und aufzuräumen. Und werd dafür regelmäßig vom Sepp zusam­men­ge­schissen…

Sepp: …weil ich meinen Kapo noch im Case habe!

Eva: Ich darf auch keine Kabel zu­sam­menrollen, weil ich den Sepp damit zur Weißglut bringe.
Sepp:
Ich habe eben vom Rainer ge­lernt, wie man anständig ein Kabel zusammenlegt! …und ich darf auf der Bühne keine Witze machen.

Eva: Doch, aber bitte erst nach der Pause! Aber im Ernst: Ich überleg mir genau, wie ich das Publikum mit ein paar Sätzen vorweg auf ein Chanson einstimmen kann. Wenn dann Sepp vor einem melancholischen Lied, wie zum Beispiel Ma Doudou, spontan einen Kalauer einwirft, macht er mich fertig, wenn auch unbeabsich­tigt. Selbst wenn es alle lustig finden, muss ich ja gestimmt bleiben, bei dem Chanson bleiben, um es inter­pretie­ren zu können.
Sepp:
Wo sie Recht hat, hat sie Recht!

 

Ihr habt an unzähligen Orten ge­spielt, unter anderem beim Kurt-Weill-Fest in Dessau, in Berlin im Sony Center und in der UFA-Fa­brik, in Hannover auf der CeBit und in der Staatsoper.  Aber es gab nie eine Tournee?

Rainer: Wir sind überhaupt kein Tour-Ensemble. Wir waren nie auf Tour.

trio trikolore vor langer zeit

 

Eva: Das ginge gar nicht mit all unse­ren anderweitigen Arbeiten! Rainer ist Apo­theker und hat Familie, Sepp spielt viel in anderen Ensembles, ich hab noch die Schauspielerei und das Schreiben… Aber schließlich wollen wir das auch gar nicht.
Rainer:
…unsere Gastspiele nennen wir daher auch neckisch Betriebsaus­flug. Egal, wohin wir fahren, auch als wir mit dem Schiff durch die Biskaya ge­fahren sind. Das sind trotzdem im­mer unsere Betriebs­ausflüge. Mal wei­ter weg, mal näher.
Eva:
Zum Kurt-Weill-Fest in Dessau sind wir mit dem Auto gefahren. Un­ser Kurt-Weill-Programm ist unglaub­lich instrumen­ten­intensiv, das wäre mit dem Zug nicht zu machen gewe­sen. (Sie strahlt.) Wir haben ein Auto mit Kassettenspieler gemietet! Und ich habe meine Kassetten mitge­nommen…
Rainer:
Einen Sprinter! Da sind wir zu dritt nebeneinander gesessen.
Eva:
Auf der Heimfahrt hat Rainer die Lotte Lenya gegeben… (im Hinter­grund imitieren Rainer und Sepp Lotte Lenya) Unsere Fahr­ten sind oft sehr lustig, oft sehr anstrengend. Meistens diskutieren wir sehr viel über Gott und die Welt, das hab’ ich in sehr schöner Erinnerung.

 

Moment mal! Mit dem Schiff durch die Biskaya?

Rainer: Wir hatten eine Woche Kreuz­­fahrt mit Gaststatus, einen ein­zigen Auftritt an Bord und Außen­kabinen! Das war so eine Europa­kreuz­fahrt auf der Astoria, auf der übrigens auch das Traum­schiff ge­dreht wurde. Organi­siert von Chari­vari. Mit Essen beim Captain’s Dinner mit Mungo Jerry. Jeden Abend gab’s einen Motto-Abend mit einer ande­ren Sprache, je nach­dem wo wir vor Anker lagen.

Eva: Wir hatten unseren Auftritt vor Le Havre. Was für mich am erstaun­lichsten war: Auf einem Schiff mitten im Meer hast du nix vom Meer. Du kannst nicht mal deine Zehen rein­halten! Also mir gefällt das Meer am besten vom Strand aus. Und am lus­tigsten war für mich die Entdeckung, wie sehr verschieden wir gestrickt sind. Sepp kann ja mit jedem, wir hatten 700 Mitreisende – und Sepp hat sie alle kennengelernt! Rainer hat sich mit einem Buch verzogen und ich pendelte irgendwo dazwischen.

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Das ist ja eine eher ausge­fallene Art, aufzutreten… was wa­ren eure kurio­sesten Auftritte?

Rainer: Es gibt Unmengen von unver­gesslichen Momenten! Ein absurder Mo­ment war, als wir in einem Well­nesshotel im Bayerischen Wald vor keinem Publikum spielten, weil die Musik durch Lautsprecher in die Sui­ten und überallhin übertragen wur­de. Die Gäste lagen dann im Wärme­bad oder unter der Moorpackung… und wir spielen im Frühstückszim­mer, vor nie­mandem außer uns selbst.
Eva:
Das Gefühl kann man gar nicht beschreiben. Wie gut, wenn man da zu dritt ist.

Rainer: Oder der Auftritt im Auto­haus in Lohr, wo der neue Merce­des Benz SL vorgestellt wurde. Dieses Auto hat­te einen Kofferraum, den man elektrisch schließen konnte – damals eine Sensation. Wir standen da und spielten Chansons, während die Leute unentwegt diesen Knopf drückten und den Kofferraum öffne­ten und schlos­sen. Den ganzen Vor­mittag!

 

Gab’s auch schreckliche Mo­mente?

Rainer lacht: Oh ja, wir hatten schon auch schreckliche Momente! Ja na­türlich… wir spielen in Eichhofen und nach dem vierten Lied macht’s einen riesigen Schlag als hätte jemand eine Granate gezündet und der Steg vom Kontrabass ist abgebrochen.

Sepp, bei der Erinnerung noch immer fas­sungslos: Einfach in der Mitte ge­brochen… Der Steg war perfekt, ker­zengerade, wie eine Fichte im Wald. Da kommst du ja nicht auf die Idee… du gehst auf die Bühne und spielst, und dann bricht der plötzlich mitten entzwei und alles hängt runter!
Rainer:
Mit Getöse!
Sepp:
Also sowas ist mir vorher noch nie passiert. Nicht mal, dass mir eine Saite gerissen ist, und damit rech­net man ja noch… aber dafür gab es wirklich gar kein An­zeichen.

Eva: Aber es gab ein Happy End!
Rainer:
 Meine Frau Gabriele hat uns meinen Kontrabass gebracht und als Retterin einen Wahnsinnsapplaus be­kommen. Du kommst aus so einem Schlamassel auch wieder raus, und am Ende war es ein sehr schöner Auftritt.
Eva:
 Eigentlich gibt’s zu jedem Auf­tritt etwas zu erzählen, jeder ist et­was Be­sonderes und hat seine eigene At­mosphäre, seine Farbe, sein Gutes und sein Schlechtes oder nur Gutes und manchmal auch nur Schlechtes… Ich mag es auch sehr, wenn wir auf irgendeiner Geburtstagsfeier im Hin­tergrund spielen.

 

Ich hab es mir für Künstler immer sehr frustrierend vorgestellt, nur die Hin­tergrundmusik zu ma­chen… das ist gar nicht so?
Eva:
 Nein! Erst vor kurzem erzählte mir jemand entsetzt von einem Auftritt in einer Hotel Bar: “Da hat niemand zugehört!” Aber du schaffst die Atmo­sphäre. Und für uns ist das eine gute Möglichkeit, neue Chansons auszu­pro­bieren. In der Regel gibt’s au­ßerdem was zu essen, wir sind den ganzen Abend zusammen, bekom­men Rückmeldungen. Das kann sehr anregend sein. Wir sorgen quasi für den Soundtrack eines Films, der vor unseren Augen abläuft.

 

Was ist typisch für eure Konzerte?
Sepp: 
Unsere Bühnenaufstellung. Wir sagen immer: Eva, du bist die Sän­gerin, du sollst eigentlich vorne ste­hen. Aber Eva steht genau hinter uns.
Eva:
 Ich muss die beiden sehen! Und die beiden brauchen auch Blickkon­takt. Also steh ich dahinter. Ist doch logisch, oder?

Trio Trikolore © Thomas Neidhart

2021 beim ersten Konzert der Kulturoptimisten

Sepp: Wir spielen alles auswendig. Wir haben keine Noten oder Notizen. Und es flutscht auch erst wirklich, wenn wir es auswendig können.
Rainer:
Das ist das Schöne, wenn wir im Trio spielen: Man merkt auch, wie eng es verzahnt ist. Du spielst und merkst: Du spielst einen Fehler. Dann kannst du dich drauf verlassen, dass der andere auch einen Fehler spielt, weil ihn dein Fehler so irritiert. Wir haben ganz klare Formen, von denen wir nicht abweichen – denn nur dann kann man sich aufeinander verlassen. Es ist alles bis ins Kleinste hinein sehr geübt, sodass man immer weiß, was kommt; und sich zur rechten Zeit auch darauf freut, dass das jetzt kommt. Es gibt nur eine Stelle, wo die beiden nicht wissen, was ich machen werde. Da gibt es einen kurzen Moment und ich mach immer was anderes.

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Das Trio Trikolore: Sepp Frank, Eva Sixt und Rainer J. Hofmann ©Die Kulturoptimisten

2024 im Thon-Dittmer-Palais

Ihr arbeitet nicht nur professionell zu­sammen, sondern pflegt auch eine in­ten­sive, langjährige Freund­schaft.
Eva: Ich bin sehr dankbar um diese Freundschaft. Wie auch immer das Leben uns mitgespielt hat, wir haben zusammen musiziert und gesungen. Und dieses gemein­same Musizieren, in seiner Beständigkeit, in seiner Ver­trautheit, in seiner Schönheit – ja! – schafft einen eigenen Raum. Wenn Sepp und Rainer zu spielen beginnen, beamt mich das regel­mäßig in eine andere Welt. Dann fällt alles von mir ab, was mich sorgt oder ängstigt. In die Musik einzutauchen kann erlö­send sein.…

Sepp: Man hat da wirklich eine Hei­mat, eine Familie. Es sind ganz schö­ne Augenblicke, wenn man merkt, dass man als Trio miteinander atmet.
Rainer: Es ist unbezahlbar, so lange über die Musik hinaus freundschaft­lich verbunden zu bleiben. Es hat schon, im besten Sinn des Wortes, einen Ehecharakter, weil wir uns so vertraut sind. Man weiß, wo die Schuhe stehen, wo der Schnaps ist, wie viel Zucker der andere in den Tee will, was er nicht leiden kann – und das kann man auch manchmal aus­nutzen, weil man dann so gut ins Gespräch kommt. (grinst) Aber es ist bezeichnend, dass man auch unter­schiedlicher Meinung sein kann, sich auch fetzen kann – und dass das an nichts Eigentliches rührt.

Was ist das Besondere an eurer Zu­sam­menarbeit?
Eva: Die Kontinuität. Wenn nicht ge­rade einer von uns verhindert ist, tref­fen wir uns jeden Mittwoch und proben. Schon immer. Freilich pro­ben wir nicht die ganze Zeit, wir es­sen und trinken, erzählen uns…
Sepp: …manchmal verratschen wir den ganzen Mittwoch und kriegen dann in der letzten halben Stunde ei­nen Anfall. Diese letzte halbe Stunde ist oft wahnsinnig produktiv und kre­ativ. Für mich ist sehr besonders, dass wir das so ernsthaft betreiben, dass wir uns wirklich einmal die Wo­che treffen. In den 60 Jahren, in de­nen ich jetzt Musik mache, habe ich in vielen Bands gespielt. Aber nur in einer anderen Band gab es diese Kon­tinuität: Cham­bergrass. Auch da ha­ben wir wöchentlich geprobt, mit fes­tem Termin, den jeder im Kalender hatte. Wir sind auch eine der ganz we­nigen Bands, die ich kenne und auch in denen ich spiele, wo ich ganz klar sage: Also entweder wir drei oder gar nicht. Niemand ist bei uns aus­tauschbar. Das ist wahr­scheinlich auch eher selten.